BÜCHERTIPP - TIBETS ERLOSCHENER GLANZ

Das Buch nimmt den Leser mit in eine Welt, die teils versunken, teils stark bedrängt, von ihren Bewohnern mit Hartnäckigkeit am Leben gehalten wird.
Der Autor begibt sich auf eine Reise durch die Geschichte Tibets, von den mystischen Anfängen, über die mannigfachen Kämpfe zwischen der angestammten Religion und dem Buddhismus, und der Auseinandersetzung mit den Chinesen, bis in die Gegenwart. Er stellt Ergebnisse der Forschung neben die Überlieferung der Mönche, und lässt immer wieder Zeitzeugen zu Wort kommen. Der religiöse Hintergrund, die kulturelle Entwicklung und die politischen Verflechtungen werden übersichtlich und verständlich dargestellt. Mit Sympathie, aber nicht unkritisch führt Raymund Hürland dem Leser die spannende Geschichte sowie mannigfachen Probleme des Landes vor Augen, frei nach dem Ausspruch: „In Tibet hat früher oder später alles mit der Religion zu tun, meistens früher als später.“
Das Buch ist ein anregender Einstieg vor einer Reise nach Tibet, aber auch eine fundierte Vertiefung danach.

Hier eine Zusammenfassung der ersten Kapitel:

I Die dunklen Jahrhunderte und die Zeit der frühen Könige

Das erste Kapitel zeigt auf, dass die schriftlichen Überlieferungen in Tibet religiös und mythisch bestimmt sind und keine sachlichen Informationen im heutigen Sinne liefern. Am Beispiel der tibetischen Schöpfungslegende wird die fremdartige und ungewohnte Symbolwelt der Tibeter deutlich. Ein kurzer Abschnitt beschreibt, was wir heute über die Frühgeschichte Tibets wissen.

Die Erforschung der historischen Gegebenheiten gestaltet sich schwierig, da die einschlägigen Dokumente über viele Orte verteilt, und zudem noch in verschiedenen Sprachen verfasst sind. Über die ersten sechs Jahrhunderte unserer Zeitrechnung haben wir nur Legenden und als stumme Zeugen die Gräber der zweiunddreißig Könige, die vor Songtsen Gampo regierten. Über diesen König kann das Buch historisch gesicherte Fakten berichten, die freilich auch mythisch und legendär durchsetzt sind. Songtsen Gampo zeigt Interesse am Buddhismus und schickt einen Gelehrten mit seinen Schülern nach Indien, um die Lehre zu studieren und entsprechendes Schriftgut nach Tibet zu bringen. Für die Übersetzungen in die tibetische Sprache wurde ein spezielles Alphabet entwickelt, das deren andersartige Phonetik wiedergeben konnte.

Ein Blick auf das Entstehen der Bön-Religion zeigt das religiöse Umfeld, mit dem sich später der Buddhismus auseinander zu setzten hatte. Auch hier ist unser Wissen lückenhaft, wohl auch deshalb, weil sich der Bön-Glaube immer mehr dem Buddhismus angenähert hat und viele von den frühen Schriften verloren gingen.

II Ein König zieht um - Lhasa, das neue Zentrum Tibets

Das zweite Kapitel schildert, wie der König den Regierungssitz nach Lhasa, in die Mitte des Landes verlegt. Von hier aus formt er Tibet zu einem mächtigen Staat mit einer zentralen Verwaltung. Seine beiden Frauen, die er sich aus Nepal und China holt, sind fromme Buddhistinnen. Unter ihrem Einfluss lässt der König den Jokhang-Tempel und noch zwölf weitere Heiligtümer erbauen. Der Jokhang birgt noch heute den hochverehrten Jo-Bo, eine Buddha-Statue, die Wen Chen´g, die chinesische Gattin des Königs, aus ihrer Heimat mitgebracht hatte.

Im Folgenden wird nicht nur die Erbauungsgeschichte des Tempels erzählt, sondern auch die erhaltene oder rekonstruierte Pracht des Bauwerks beschrieben. Verbunden damit sind erste Einblicke in die Lebensgeschichte des Buddha und in seine Lehre. Im Verlauf des Buches werden dem Leser die wichtigsten Aspekte daraus vermittelt.

Nach dem Tod Songtsen Gampos hält ein herrschsüchtiger Minister die Macht in der Hand, die Bön-Religion kehrt zurück und löscht den Buddhismus in Tibet fast völlig aus. Alle heiligen Bücher werden vernichtet, die indischen Lehrer aus dem Land gejagt.

König Trison Detsan setzt alles daran, den Buddhismus neu zu beleben, hat aber mit vielen Hindernissen und Intrigen zu kämpfen. Auch seine militärischen Erfolge gegen China – er hielt zeitweise sogar die Hauptstadt Chang´an besetzt – können das Scheitern seiner Religionspolitik nicht verhindern. Resigniert kehrt Santaraksita, ein berühmter indischer Gelehrter, nach jahrelanger Missionstätigkeit in seine Heimat zurück. Er rät dem König, gegen die Dämonen, die in Tibet noch immer zu mächtig sind, Padmasambhava, einen bekannten Tantriker, zu Hilfe zu rufen. Wie der mit den Dämonen fertig wird, erfährt der Leser im nächsten Kapitel des Buches.

III Padmasambhava kommt nach Tibet - Die Dämonen werden zu Schützern der Lehre - Der Buddhismus breitet sich aus

Im dritten Kapitel wird dem Leser zunächst das Wirken Padmasambhavas vor Augen geführt, der den Buddhismus in Tibet von einer Hofreligion zur Volks- religion macht. Sein genialer Gedanke ist es, die feindseligen Dämonen zu Behütern der Lehre und zu allgemeinen Schutzgeistern zu machen.

Mit seiner Hilfe wurde das Kloster Samye gebaut und der geistige Neuanfang des Buddhismus in Tibet gesetzt. Die Königin allerdings sah in Padmasambhava eine Gefahr für das Königtum und setzte alles daran, die Bön-Religion wieder zur alten Stärke zurückzuführen. So sah sich Trison Detsan ständigen Intrigen gegenüber, die manchmal nur mit List und Gewalt zu überwinden waren. 791 erklärte er den Buddhismus zur Staatsreligion.

Padmasambhava reiste im ganzen Land umher und trieb Dämonen aus; zahllose Wunder und Krankenheilungen wurden ihm zugeschrieben. Die Schule (Lehrauffassung) der Kadampa geht auf ihn und seine Lehre zurück.

Nach dem Tode Trison Detsans führt der Sohn, Muni Tsempo, das Werk seines Vaters fort. Soziale Maßnahmen und eine Landreform bringen den Adel gegen ihn auf. Seine intrigante Mutter soll ihn vergiftet haben. Auch sein Nachfolger lebt nicht lange. Unter dessen Sohn, Ralpatschen, nimmt der Buddhismus einen weiteren Aufschwung. Neue Klöster entstehen, neue Übersetzungen werden angefertigt. Die nun sehr zahlreichen Schriften werden geordnet und ein Kanon aufgestellt, Sanskrit wird zur Sprache der Religion. Künste und Handwerk werden gefördert, Maße und Gewichte festgelegt. Ein Nichtangriffspakt mit China scheint für Tibet ein goldenes Zeitalter einzuläuten. Doch die Verfolgung der Bön-Anhänger und soziale Reformen rufen Feindseligkeiten hervor. Sein Bruder, Lang Dharma, lässt ihn kurzerhand umbringen. Jetzt zeigt die Bön-Religion wieder ihr dämonisches Gesicht. Wieder werden Tempel und Bibliotheken zerstört, die buddhistische Religion verboten. Mönche die sich weigern, an den Bön-Praktiken teilzunehmen. Werden verjagt oder grausam umgebracht. Bald gibt es keinen einzigen Mönch mehr in Tibet.

IV Ein Königsmord. Ein neues Königreich im Westen von Tibet.

Das vierte Kapitel schlägt eine neue Seite in der Geschichte Tibets auf. Ein einzelner Mönch hatte im Verborgenen überlebt. Er verübte ein listiges Attentat, dem der König Langdarma zum Opfer fiel. Das war das Ende der Könige von Lhasa. Die Einheit des Landes zerfällt wieder in die Rivalität vieler Stämme.

Ein Urenkel Lang Dharmas baut im Westen ein neues Machtzentrum auf. Auch er wird ermordet. Seine drei Söhne teilen sich das Herrschaftsgebiet. Unter ihnen erlangt das Königreich von Guge die höchste Bedeutung. Im elften Jahrhundert beginnt hier wieder ein tief religiöses Leben. Noch heute sind die Ruinen und Reste der Stadt Tsaparang Zeugen einer hochstehenden Kultur. Sie zerfiel, nachdem der letzte König von Guge einem Mord zum Opfer gefallen war. Man warf ihm vor, einen christlichen Missionar, Antonio de Andrade, aufgenommen und allzu sehr gefördert zu haben.

Das entscheidende Ereignis dieser Herrschaftsepoche war die Ankunft Atishas, eines indischen Gelehrten, der die Reinheit der Lehre wieder herzustellen suchte und den weit verbreiteten Aberglauben bekämpfte. Aus den theologischen Debatten gingen verschiedene Schulen hervor (Kagyupa, Sakyapa, Kadampa).

Die hohe Geistigkeit des tibetischen Buddhismus verdankt sich nicht zuletzt den vielen Mönchen, die nicht im Kloster sondern in der Einsamkeit nach Erleuchtung strebten. Der berühmteste unter ihnen war Milarepa, der nicht nur ein großer Denker sondern mehr noch ein begnadeter Dichter war. Ihm widmet sich der letzte Teil des vierten Kapitels.

V Die Thronhalter von Sakya. Bekehrung der Mongolen. Kubilei-Khan wird Kaiser von China.

Neben dem Königreich von Guge entstand ein zweites Machtzentrum, das im weiteren Verlauf die Geschicke Tibets entscheidend bestimmen sollte. Davon berichtet das fünfte Kapitel. Es handelt sich um das Kloster Sakya, dessen Name auf die graue Erde zurückgeht, auf der es erbaut wurde. Es war eine fürstliche Gründung. Die Äbte waren verheiratet und vererbten ihre Würde an einen Sohn oder einen Neffen. Unter ihnen kam schon der Gedanke der Reinkarnation auf.

Als Tibet unter mongolische Verwaltung kam, wurde der Abt Sakya Pandita, berühmt wegen seiner Gelehrsamkeit, an den mongolischen Hof berufen. Zusammen mit seinem zehnjährigen Neffen, Phakpa Lodron Gyaltsen, der mit seinem Charm den ganzen Adel begeisterte,  gelang es ihm, die wilden Mongolen zum Buddhismus zu bekehren. Obwohl sich ein Verhältnis entwickelte, das dem zwischen Kaiser und Papst ähnlich war, blieb Tibet ein mongolischer Vasallenstaat. Nach dem Tod des Onkels Abt von Sakya, freundete sich Phakpa mit dem Prinzen Kubilei, dem Verwalter Tibets an. Der übertrug ihm weitreichende Vollmachten im geistlichen und weltlichen Bereich. Das Kloster Sakya war nun das geistliche und weltliche Zentrum Tibets. Kubilei bestieg schließlich den chinesischen Kaiserthron und ließ sich von Phakpa zum Buddhismus bekehren. Phakpa aber fiel kurz darauf einem Giftmordanschlag zum Opfer. Danach ging es mit der Vormachtstellung Sakyas abwärts. Seine Äbte wurden weiter von den Kaisern unterstützt, mussten aber am Hof der Mongolen residieren. Wegen dieser engen Anlehnung an die Mongolen waren sie im Volk und bei den anderen Klöstern unbeliebt. Als die militärische Macht der Mongolen abnahm, schwand auch die Bedeutung Sakyas dahin.

Chang chub Gyaltsen, der zunächst als Mönch in Sakya gelebt hatte, baute für sich eine neue Machtstellung auf. Er ließ sich von den mongolischen Herrschern in Peking als Nachfolger der Sakya- Regenten bestätigen. Er tat alles, um den alten Glanz der Könige von Tibet wieder aufleben zu lassen. Als die mongolische Dynastie in Peking gestürzt wurde, gelang es ihm, Tibet unabhängig zu machen. Auch seine Nachfolger hielten an der Unabhängigkeit fest. Nach vielen Kämpfen und Auseinandersetzungen fiel die Macht an die Könige von Tsang.

Sakya und seine Abt-Könige haben als Staat im Staate auch neben dem Dalai Lama bis zur Eroberung durch die Chinesen überdauert.

 

 

VI Ein Reformer wird geboren. Gründung de Gelbmützenordens. Bau der drei großen Klöster.

Mit dem allgemeinen Niedergang geriet auch das Reformwerk Atishas ins Stocken.

Aberglaube, Missbrauch und Disziplinlosigkeit in den Klöstern griffen um sich. Jetzt kam die Wende aus dem Osten Tibets. Im Kloster Kumbum zeigt man noch heute die Stelle, an der Tsonkhapa, der große Reformer, zur Welt kam. Das sechste Kapitel erzählt die Legenden, die sich um seine Geburt und seine Kindheit ranken.

Jedenfalls ist er früh aufgebrochen und weit herumgekommen. Er hat nicht nur viel gelernt sondern auch gesehen, wie sehr sich die Missbräuche in den alten Klöstern festgefressen hatten.

Deshalb war er entschlossen, ein eigenes Kloster nach seinen Vorstellungen zu gründen. Das Ergebnis war das Kloster Ganden, das von den Chinesen 1966 zerstört, heute wieder originalgetreu restauriert ist.

In Jahresfrist errichtet, lebten dort bald mehr als 500 Mönche. Tsonkhapa stellte strenge Regeln auf und wehrte sich gegen tantrische Praktiken, die an anderer Stelle des Buches näher beschrieben werden. Zur Unterscheidung von den Anhängern der anderen Schulen, die rote und schwarze Hüte trugen, ließ er seine Anhänger gelbe Hüte aufsetzen. Er führte auch die 263 Gelübde ein, die von einer Stufe der Entsagung zur nächsten führten. Der Orden der Gelbmützen war entstanden und sollte bald in Tibet zur Vorherrschaft gelangen. Es entstand eine neue geistliche Hierarchie, die den Thronhaltern von Sakya zunächst Konkurrenz machte, sie dann aber dauerhaft beiseite drängte.

Von Ganden aus wurden auch die Klöster Drepung und Sera gegründet, die man später als Reichsklöster bezeichnete. Sie sind die sichtbaren Spuren, die der Tsongkhapa hinterlassen hat. Es ist aber sein Reformwerk, das Tibet grundlegend veränderte.

Hier, wie auch in anderen Kapiteln, werden Exkurse über das Leben in den Klöstern, über das Leben Buddhas wie auch über die religiösen Vorstellungen in den historischen Bericht eingefügt.

VII Eine neue Art der Nachfolge Die zweite Bekehrung der Mongolen Der erste Dalai Lama

In diesem Kapitel erfahren wir, wie es zu dem Gedanken der Wiedergeburt kam. Gedundrup, der als Nachfolger Tsonkhapas die Gelbmützen führte, entschloss sich bei seinem Tode, zum Wohl der Menschen auf die Erde zurückzukehren. Auch Gedun Gyatso, der ihm im Amt folgte, äußerte diese Absicht, als er starb. Sonam Gyatso, nun schon allgemein als Wiedergeburt seines Vorgängers angesehen, wurde an den Hof des Mongolenfürsten Altan Khan gerufen. Die Mongolen waren längst wieder zu ihrem alten Glauben und den wilden Sitten ihrer Vorfahren zurückgekehrt. Ihm gelang es, sie von neuem für den Buddhismus zu begeistern und eine völlige Bekehrung dieses rauen Volkes zu erreichen. Zum Dank verlieh ihm Altan Khan den Titel „Dalai Lama“. Das bedeutet etwa: „Ozean der Weisheit“. Auf seiner Rückreise besuchte Sonam Gyatso den Kaiserhof in Peking und knüpfte freundschaftliche Beziehungen an. Nach Lhasa zurückgekehrt, war auch hier wieder Ordnung zu schaffen. Aber es zog ihn zurück zu den Mongolen, die ihm ans Herz gewachsen waren. Dort ist er auch gestorben. Sein Grab fand er im Kloster Kumbum. Eine genauere Beschreibung des Klosters, vor allem des Wunderbaumes, der dort zu sehen war, bildet einen Teil dieses Kapitels.

Im Sterben hatte Sonam Gyatso seinen trauernden Schülern versprochen, dass sein Nachfolger aus hrem Volke kommen würde. Yönten Gyatso, ein Urenkel Altan Khans, war die nächste Inkarnation. Als Abt von Drepung und Sera übernahm er die Leitung der tibetischen Klöster. Sein Vertreter in der Mongolei begründete eine Folge mongolischer Inkarnationen und damit einen weithin unabhängigen Zweig des Tibetische Buddhismus.

Sonam Gyatso sollte nicht alt werden. Unter seiner Regierung nahm die Feindseligkeit der Tsangpa-Könige zu und führte zu heftigen kriegerischen Auseinandersetzungen. Als Sonam Gyatso mit 27 Jahren starb, hieß es, er sei vergiftet worden

VIII Ngwang Gyatso „Der Große Fünfte Der Potala wird gebaut Ein Tod wird verheimlicht

Ngawang Gyatso, erbt zunächst die Schwierigkeiten seines Vorgängers. Bedroht durch den König von Tsang, aber auch durch die wiedererstarkten Bönpos, ruft den Mongolenfürsten Guschri-Khan zu Hilfe. Der unterwirft zunächst die Bönpos und besiegt wenig später den König von Tsang. Er fügt aber Tibet jetzt nicht seinem Machtbereich zu, sondern legt die Herrschaft feierlich in die Hände Ngawang Gyatsos. Damit ist der Dalai Lama auch der weltliche Herrscher Tibets.

Nicht zuletzt unter dem Einfluss seines Lehrers, Lobsang Chökyi Gyaltsen, wird seine Regierungszeit zu einem Höhepunkt der Tibetischen Geschichte. Er tritt dem Kaiser Fulin in Peking, der ihm seine völlige Unabhängigkeit bestätigt, als Gleichberechtigter gegenüber. Zeichen der Machtfülle des Dalai Lama wird der Bau de Potala, der nun auf dem Mapori-Hügel heranwächst. Die geistige Größe Ngawang Gyatsos schlägt sich in zahlreichen literarischen Werken nieder. Er zieht sich immer mehr zurück und überlässt die Regierung Desi Sanggye Gyatso, seinem Regenten.

Die Institution des Pantschen Lama hat ihre Wurzel in der Dankbarkeit Ngawang Gyatsos. Der verleiht seinem Lehrer den Titel „Panchen Rimpoche“, verbunden mit einer eigenen Inkarnationslinie.

Mit dem Tod Ngawang Gyatsos beginnt ein spannendes Versteckspiel. Desi Sanggye, der Regent, dem die Vollendung des Potala am Herzen liegt, fürchtet um sein Bauprojekt. Er verheimlicht geschickt den Tod des Dalai Lama. Erst nach der Vollendung des Bauwerks gibt er den Tod bekannt und lässt Ngawang Gyatso feierlich beisetzen.

IX Auf eine Zeit voll Poesie und Lebensfreude folgen bittere Tage und blutige Auseinandersetzungen

Die neue Inkarnation des Dalai Lama ist bereits zwölf Jahre alt, da der Tod seines Vorgängers schon so lange zurück liegt. Tsangyang Gyatso wird vom Pantschen Lama erzogen, entwickelt aber einen eigenwilligen Lebensstil. Zudem mach sich seine Pubertät bemerkbar und er verstrickt sich in zahlreiche Liebesabenteuer. Dass er dabei nicht in grobe Sinnlichkeit verfällt, bezeugen die zahlreichen Liebesgedichte, die er hinterlassen hat.

Sanggye Gyatso, der noch immer Regent ist, macht sich durch politische Fehler die Mongolen zu Feinden. Lhabsang-Khan zieht in Lhasa ein, lässt den Regenten verhaften und umbringen. Der Kaiser bestätigt ihn als Gouverneur. Damit ist Tibet ein Vasallenstaat Chinas geworden. Tsangyang wird aus dem Potala entführt und nach Peking verschleppt.

Auf dem Weg dorthin ist er verschollen.

Ein Zwist unter zwei Mongolenstämmen führt in Lhasa zu einer Schreckensherrschaft der Dsungaren, die zwei Jahre andauert.

Im Kloster Kumbum lebt der kleine Kalsang, der sich als Wiedergeburt Tsanyang Gyatsos gegen einen Rivalen behaupten muss, den die Mongolen eingesetzt hatten.

X Die Institution des Panchen Lama und ihre Verflechtung mit der tibetischen Politik.

„Der Große Fünfte“ verlieh seinem Lehrer Lobsam Chökyi, dem Abt von Tashi Lunpo, den Titel „Panchen Rinpoche“. Er und seine Nachfolger werden als Inkarnationen Amithabas angesehen. Amithaba ist der „Buddha des unendlichen Lichts“. Immer wieder war der Panchen Lama Lehrer und Erzieher des jungen Dalai Lama. Lobsang Palden Yeshi, der sechste in der Reihe, reiste auf Einladung des Kaisers nach Peking. Damit geriet er auf das Gebiet der Außenpolitik. Sein plötzlicher Tod in Peking erweckte den Verdacht, es sei Giftmord gewesen. Der neunte Panchen Lama, von dem Sven Hedin so tief beeindruckt war, geriet in Konflikt mit der Regierung in Lhasa und floh mit seinem ganzen Hofstaat nach Peking. Wo er 1937 starb. Chökyi Gyaltsen, seine Wiedergeburt wurde erst 1949 in Peking anerkannt. Der Dalai Lama bestätigte ihn erst sehr viel später. Da war Tibet schon von den Chinesen besetzt. Dem X. Pantschen Lama  war ein schweres Geschick beschieden. Die Chinesen dankten es ihm nicht, dass er ihnen den moralischen Vorwand für ihren Überfall auf Tibet geliefert hatte. Auch sein plötzlicher Tod ist von Gerüchten umrankt. Der XIV. Dalai Lama ließ seine Wiedergeburt suchen. Aber der Knabe wurde von den Chinesen entführt. Man weiß bis heute nur, dass er noch lebt. Die Chinesen setzten einen Anderen an seine Stelle. Dieser „Panchen Zuema“, der falsche Panchen, wie ihn das Volk nennt, ist eine Marionette in den Händen der Regierung in Peking.

XI  Tibet gerät verstärkt unter den Einfluss Pekings - Die Macht des Dalai Lama wird geschwächt - Das Land schottet sich ab

Das elfte Kapitel kehrt zurück ins 18. Jahrhundert. Kalsang, der VII. Dalai Lama führt ein frommes Leben, wird aber politisch beiseite gedrängt. Miwang Pholhanas, ein einflussreicher Minister, setzte sich mit Hilfe der Chinesen an die Spitze des Staates. Der Preis war ein wachsender Einfluss Pekings und die Einsetzung der zwei Ambane, die fortan die Interessen Chinas in Tibet vertraten. Pholhanas schickte zwar den Dalai Lama zeitweise in die Verbannung, war aber ein guter Verwalter, der in Tibet für Frieden und Sicherheit sorgte. In diese Zeit fielen auch neuerliche Versuche, Tibet für das Christentum zu gewinnen. Pater Desideri, ein Jesuit, hatte sich erfolgreich bei Hofe eingeführt. Seine verbindliche Art und das Bemühen um die tibetische Sprache versprachen Früchte zu tragen. Die Missgunst der Kapuziner, denen ein nennenswerter Erfolg versagt blieb, setzte in Rom die Rückberufung Desideris durch. Die Kapuziner zogen sich bald darauf den Unwillen das Dalai Lama zu und wurden aus Lhasa verjagt. Das war das Ende der Mission.

Nach dem Tode Pholhanas versuchte sein Sohn, mit Unterstützung durch die Mongolen  Tibets Unabhängigkeit wiederherzustellen. Er wurde ermordet, es gab ein Blutbad, die Ambane wurden zum Selbstmord gezwungen. Ein chinesisches Heer übte fürchterliche Rache. In der Folge wuchs der Einfluss Pekings ständig. Die Ambane überwachten die Auffindung der Inkarnationen. Die Nachfolger Kalsangs waren bedeutungslos, die meisten starben in jugendlichem Alter. Keiner hat wirklich regiert.

In dieser Zeit schottet sich Tibet von der Außenwelt ab. Die Äbte fürchten um Macht und religiösen Einfluss, Peking hat Angst, dass die Engländer in Tibet Fuß fassen. Sven Hedin hat die Auswirkungen dieser Abschottung noch bitter erfahren müssen.

XII Das Monlam-Fest: Anfang und Höhepunkt des Jahres in Tibet

Dieses Kapitel hat weitgehend beschreibenden Charakter, es erklärt die komplizierten Besonderheiten des tibetischen Kalenders und schildert ausführlich die Feierlichkeiten des Neujahrsfestes, die Befragung des Staatsorakels  und auch die privaten Sitten und Gebräuche der Tibeter in diesen Tagen. Die Schilderungen folgen weitgehend den umstrittenen Berichten Ernst Schäfers. Seine Verstrickung in die nationalsozialistische Ideologie ist nicht zu leugnen, doch niemand hat die Einzelheiten des Festes so umfangreich, vielgestaltig und zugleich in poetischer Sprache gestaltet wie Ernst Schäfer.

Überwiegend beschreibend ist auch der Inhalt des folgenden Kapitels:

XIII  Gyantse und das Palkhor-Kloster: Zeugnisse tibetischer Hochkultur

Es sind einzigartige Gebäude, die hier vom Toben der Kulturrevolution verschont blieben. Es  ist, als ob die rohen Hände, die den Klosterbezirk zerstörten, in letzter Minute vor der Heiligkeit der Tempel so etwas wie Ehrfurcht empfanden. Jeden falls bekommt man hier eine Ahnung, welche Kostbarkeiten damals in den alten Klöstern geraubt, zerstört und zertrampelt wurden.

XIV Thubten Gyatso: „Der Große Dreizehnte“ - Tibet wird von China unabhängig - Vorsichtige Öffnung der Grenzen

Nach dem Tod des XII Dalai Lama, der 18jährig gestorben war. Beginnt noch einmal eine große Zeit für Tibet. Zunächst aber sieht es gar nicht danach aus. Bei der Suche nach der neuen Inkarnation kann die Manipulation mit der goldenen Urne umgangen werden. Es folgt eine Zeit der Intrigen und Machtspiele zwischen dem Regenten, den Äbten der großen Klöster und den Ambanen. 1895 übernimmt Thubten Gyatso die Regierung. Ein englisches Expeditionsheer zwingt ihn zur Flucht nach Urga, der Residenz des Hutuktu, des Herrschers der mongolischen Buddhisten. Es geht weiter nach Peking, wo er im goldenen Tempel residiert. Eine Audienz beim Kaiser bringt nicht die erhoffte Unabhängigkeit von China. Schließlich kehrt er nach Lhasa zurück und sieht sich gezwungen, mit den Briten zu verhandeln. Jetzt rücken chinesische Truppen ein und erobern Lhasa. Thubten Gyatso sieht sich wieder zur Flucht gezwungen und erreicht auf abenteuerlichen Wegen Darjeeling, wo er sich unter englischen Schutz stellt. 1911 wird in Peking die Mandchu- Dynastie gestürzt. Die chinesischen Truppen werden aus Lhasa vertrieben und es gelingt, mit der neuen Regierung in Peking die Unabhängigkeit Tibets festzuschreiben. In einem feierlichen Zug kehrt der Dalai Lama nach Lhasa zurück. Die Erfahrungen im Ausland hatten ihm die Augen für die Rückständigkeit seines Landes geöffnet. Vorsichtig beginnt er, Reformen durchzusetzen, und technische Neuerungen einzuführen. Er stößt dabei auch auf heftigen Widerstand, sowohl beim Klerus wie beim Adel. Nach und nach zieht er immer mehr Kompetenzen an sich und entwickelt sich zum Alleinherrscher. Damit lädt er aber auch eine ungeheure Arbeitslast auf seine Schultern, die ihn frühzeitig altern lässt. Dabei bleibt er der bescheidene Mönch, der asketisch lebt, und offen ist für alle Bitten, die von zahllosen Menschen an ihn herangetragen werden.

Sein früher Tod kommt überraschend.